HAPEKO InSights: Start-up oder Fehlstart? Kann Deutschland überhaupt gründen?

Haben wir bei den Zukunftsthemen Künstliche Intelligenz, Big Data, Internet der Dinge schon hoffnungslos verloren?

HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen

HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen über globale Tech-Riesen, Buzzwords für die Personalsuche – und warum HAPEKO sich seine Agilität aus der Start-up-Phase bewahrt hat.

Die globalen Tech-Titanen heißen Microsoft, Apple, Google, Amazon, Alibaba. Warum spielen deutsche Firmen in der Weltliga keine Rolle?

Ich glaube, das hat zwei Gründe: Zum einen haben wir hierzulande nicht die allerbesten Voraussetzungen für Gründer, nehmen wir nur mal die bürokratischen Hürden. Das ist im Silicon Valley oder ähnlichen Gegenden schon ganz anders. Zum anderen erleben wir, dass in Deutschland eine Kultur des Scheiterns als Makel angesehen wird. Und Start-ups scheitern nun mal öfter, obwohl sie gleichzeitig intensiver aus Fehlern lernen. Wir Deutschen sind eher sicherheitsorientiert. In den USA geht man mehr Risiko ein und probiert einfach aus.

Du hast selber vor nicht allzu langer Zeit das Silicon Valley erkundet und dort mit Menschen über ihre Geschäftsmodelle gesprochen. Was machen die Amerikaner besser?

Eine Sache, die ich vor allem mitgenommen habe: Während wir in Deutschland sehr geheimniskrämerisch sind und uns mit dem Wettbewerb so gut wie nie austauschen, geht es in den USA viel um Kollaboration. Also zu schauen: Wer kann mir an welcher Stelle helfen? Wohin kann ich mich wenden, wenn ich einen Fehler gemacht habe? Das ist in Deutschland nicht wirklich etabliert.  Dadurch knüpft man in den USA viel schneller Kontakt zu den richtigen Netzwerken und kann leichter an Unterstützung kommen.

XING-Gründer Lars Hinrichs behauptet: „Wir Deutschen sind Weltmeister im Überoptimieren. So verlieren wir den Kampf um die globalen Märkte, weil die anderen einfach schneller sind.“ Stimmt das? Haben wir bei den Zukunftsthemen Künstliche Intelligenz, Big Data, Internet der Dinge schon hoffnungslos verloren?

Wir haben vielleicht den Start ein bisschen verpasst. Aber dadurch ist das Rennen für die anderen noch nicht gewonnen. Es stimmt, dass an dem Satz des XING-Gründers etwas dran ist: Ja, wir optimieren gerne immer weiter. Und es besteht auch eine Blockade im Kopf, Dinge mal richtig groß zu denken. Im Silicon Valley sagt man nicht: Zehn oder 20 Prozent Steigerung ist okay, sondern da ist die Rede von Verzehnfachung. Schauen wir uns nur mal Google an oder Amazon. Was für eine Marktmacht die entwickelt haben. Es ist doch noch gar nicht so lange her, da hat Amazon-Gründer Jeff Bezos Schwierigkeiten gehabt mit den vermeintlich Großen. Lange hat Amazon überhaupt kein Geld verdient. Und trotzdem hat sich Bezos durchgesetzt – mit den richtigen Fragen und der richtigen Denke ist Bezos jetzt selber zum großen Player geworden.

SAP, das wertvollste deutsche Technik-Start-up, wurde schon 1972 gegründet. Immerhin gehören Hellofresh, Delivery Hero und Zalando zu den zehn bedeutendsten Tech-Gründungen. Was macht diese Unternehmen so erfolgreich?

Alle drei Unternehmen sind Nachahmungen. Man schaut sich bei anderen ab, was gut auf dem Markt funktioniert. So haben es die Samwer-Brüder mit Zalando gemacht, welches eine Kopie von Zappos ist.

Manchmal kommt ein Unternehmen aber auch einfach zur richtigen Zeit. Wie Biontech, das sich seit 2008 auf die Herstellung von aktiven Immuntherapien spezialisiert hat und jetzt als einer der Ersten einen Impfstoff gegen COVID-19 entwickelt hat. Aber auch diese deutsche Firma braucht einen Partner, wie den US-Riesen Pfizer, um weltweit agieren zu können.

Ja, und daran sieht man, wie Kollaboration funktioniert – auch über die Grenzen hinweg. Das einstige Start-up Biontech hat in einer ganz speziellen Nische den Pflock reingeschlagen. Warum denn auch nicht? Es wird immer wieder neue Entwicklungen geben, die die Märkte komplett durcheinanderwirbeln. Nur sehen wir sie teilweise noch nicht, weil wir uns vielleicht auch noch nicht die richtigen Fragen stellen. Letztlich geht es darum: Wer hat als Erster die Problemlösung am Start?

Nur jeder 20. Deutsche hat in seinem Leben ein Unternehmen gegründet, in den USA hingegen jeder siebte. Eine Umfrage besagt: Jeder zweite deutsche Student strebt die Beamtenlaufbahn an. Da müssen wir uns nicht mehr wundern, richtig?

Ich finde es immer schwierig, von einer ganzen Generation zu sprechen. Denn, ehrlich, es braucht nur ein paar kluge Köpfe, die außerdem den Mut haben zu gründen – und dann wiederum andere finden, die sie um sich scharen. Ich würde mich freuen, wenn ein Unternehmen wie Biontech ein Role Model sein könnte und ein Beispiel dafür, dass es eben doch ganz gut funktioniert, in Deutschland ein Start-up zu gründen und groß werden zu lassen.

Wenn wir uns den Bewerbermarkt für deutsche Start-ups ansehen: Jedes zweite Jungunternehmen ist auf Mitarbeitersuche. Was macht ein Start-up attraktiv für Arbeitnehmer?

Ich glaube, dass die jüngere Generation einen Footprint hinterlassen will. Schauen wir uns die Klimabewegung oder andere Bewegungen an – auch bei Start-ups geht es ja häufig um den Sinn. Und da sehen viele Jüngere die Möglichkeit, Dinge zu verändern, allein schon, indem man bei einem Start-up von Anfang an dabei ist. Das kompensiert manches, was vielleicht andererseits nicht so perfekt läuft.

Buzzwords wie Obstkorb, After-Work-Drinks und Kickertisch klingen für jüngere Jobsucher erst mal sexy. Aber gleicht das die in der Regel schlechtere Bezahlung sowie die vielen Überstunden wirklich aus?

Das ist die Frage: Nennen wir es schlechtere Bezahlung oder ein Invest in das eigene Berufsleben? Denn es ist ja auch ein Erfahrungsschatz, den man mitnimmt. Ein Punkt noch: In einem Start-up kann man sich nicht verstecken. Da sieht man deutlich, wer wirklich etwas leistet.

HAPEKO war ja auch mal ein Start-up. Gegründet 2003 von Christoph A. Nehring, der das professionelle Recruiting revolutioniert hat. Inzwischen gibt es 180 Mitarbeiter. Hat HAPEKO überhaupt noch Start-up-Qualitäten?

Tatsächlich haben wir uns viel mehr Start-up-Charakter bewahrt, als uns manchmal selbst bewusst ist. 99 Prozent der Neuerungen, die wir bei HAPEKO haben, kommen von Mitarbeitern. Dass das so möglich ist, spricht durchaus für die sinnvollen Start-up-Qualitäten bei HAPEKO.


Januar 2021, HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen im Gespräch über globale Tech-Riesen, Buzzwords für die Personalsuche – und warum HAPEKO sich seine Agilität aus der Start-up-Phase bewahrt hat.

(Fotos: HAPEKO, Mario Gogh on Unsplash)


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