HAPEKO INSIGHTS - Frauenquote in Führungspositionen: Chef-Frauen - braucht unsere Wirtschaft eine Quote?

Frauenquote in Führungspositionen

HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen im Gespräch mit HAPEKO-Regionalleiterin Carin Pawlak zum Thema Frauen in Führungspositionen. Ein Disput über den Sinn einer Quote.

Carin Pawlak: Sind Frauen die besseren Menschen?

Benjamin Thomsen: Nein, aber ich glaube, im Durchschnitt sind sie etwas empathischer als Männer.

CP: Ich habe schon weibliche Chefs erlebt, die jedem Diktator in der dritten Welt Konkurrenz machen können.

BT: Klar, aber solche Männer gibt es doch auch.

CP: Sind Frauen dann vielleicht weniger anfällig für Korruption? Einen Finanzskandal wie den aktuellen bei Wirecard würde es unter weiblichen Vorständen demnach nicht geben.

BT: Das ist Spekulation. Aber wenn man sich die Kriminalitätsstatistik anschaut, ist schon auffällig, dass dort weniger Frauen auftauchen als Männer.

CP: Also sind Frauen elementar für jede Firmenkultur.

BT: Wenn wir Diversität ernst nehmen, ist es wichtig für ein Unternehmen, dass die Teams möglichst gemischt sind – Geschlecht, soziale Herkunft und Alter. Je vielfältiger eine Belegschaft ist, umso mehr Perspektiven und Sichtweisen entstehen, was wiederum im Sinne von ganz vielen Geschäftszweigen sein kann.

CP: Die OECD beklagt, dass es in Deutschland viel zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Deshalb droht nun – mit Unterstützung der Kanzlerin – eine verbindliche Quote. Der CDU-Wirtschaftsrat hat das postwendend kritisiert. Die Pläne Angela Merkels seien „übermotiviert und unrealistisch“.

BT: Der CDU-Wirtschaftsrat kritisiert in diesem Kontext ja auch, dass man sich keine Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen backen könne. Aber darum geht es ja auch nicht unbedingt. In den Aufsichtsräten der 100 stärksten Unternehmen haben wir es doch bereits hinbekommen, dass eine Frauenquote zu etwa 30 Prozent erfüllt ist. Wohlgemerkt aber erst, als das Gesetz kam. Und das hat den Unternehmen ja auch nicht geschadet, im Gegenteil. In Vorständen allerdings, wo es noch keine gesetzliche Quote gibt, liegt der Prozentsatz nur bei etwas über zehn Prozent.

CP: Aber wer sagt denn, dass die Frauen bereitstünden, wenn es eine verbindliche Quote für Dax-Unternehmen gäbe?

BT: Ich glaube in der Tat, dass sie bereitstehen. Wenn wir jetzt mal nur die absoluten Top-Positionen nehmen: Es kann mir keiner erzählen, dass es nur an der mangelnden Qualifikation liegt und Frauen deshalb ausscheiden. Stichwort Qualifikation: Wie kann es dann sein, dass ein Andreas Scheuer Verkehrsminister ist? Offensichtlich können Männer genauso falsch liegen.

CP: Norwegen hat weltweit als erstes Land 2006 die 40-Prozent-Frauenquote eingeführt. Bei Nichteinhaltung drohen Sanktionen – bis hin zur Auflösung eines Unternehmens. Braucht es solche harten Schritte auch hierzulande? Oder ist die Quote nicht auch Diskriminierung? Nach dem Motto: Frauen brauchen unsere Hilfe – so wie auch Alte, Behinderte, Migranten.

BT: Das Gegenteil ist richtig. Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“ hat in einem Kommentar geschrieben: „Die Frauenquote macht Schluss damit, dass es seit ewigen Zeiten in Spitzenpositionen der Wirtschaft Männerquoten gibt, die bei fast 100 Prozent liegen. Die Frauenquote führt also nicht die Quote ein; sie durchbricht eine bestehende Quote.“ Es geht doch auch nicht darum, gleich eine Pari-Quote einzuführen, aber doch wenigstens eine Mindestquote. Die Selbstverpflichtung funktioniert in der Wirtschaft ja komischerweise recht selten.

CP: Die erste Frau, die es zum CEO eines Dax-Konzerns geschafft hatte, war nach einem halben Jahr wieder weg – Jennifer Morgan bei SAP. Klingt nicht gerade nach einer Erfolgsgeschichte.

BT: Aber es gibt doch Erfolgsgeschichten: Helene von Roeder bei Vonovia, bei BASF Saori Douborg oder Tina Müller bei Douglas. Also, diese Frauen wirken ja schon, aber leider unterrepräsentiert. Nur weil es eine mal nicht geschafft hat, aus welchen Gründen auch immer, ist es doch kein Beweis dafür, dass Frauen keine guten Vorstände sind. Wenn ein Mann geschasst worden wäre, hätte es vermutlich nicht mal eine größere Nachricht darüber gegeben.

CP: Wenn Frauen einen Job nicht bekommen, hört man inzwischen öfter: Da wollen die alten, weißen Männer unter sich bleiben. Meine These ist indes: Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen. Die sind doch schon froh, wenn sie einen Teilzeitjob mit der Familiensituation vereinbaren können. Und ja, es ist nämlich verdammt anstrengend.

BT: Das ist auch in Ordnung. In diesem Punkt haben wir gar keinen Dissens. Aber diejenigen Frauen, die in Spitzenpositionen wollen, sollen auch eine Chance bekommen. So wie die Top-Managerin Belén Garijo, die ab dem nächsten Jahr Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Merck werden wird.

CP: Ich hatte bei der Besetzung einer Stelle einmal die Wahl zwischen einem Mann und einer Frau. Der Kollege war eindeutig qualifizierter. Aber: Es gab postwendend Vorwürfe, die Frauen förderten sich untereinander zu wenig.

BT: Wenn die Qualifikation wirklich eindeutig besser ist, sollte das ausschlaggebend für die Besetzung der Vakanz sein. Dann war es die richtige Entscheidung. Aber ansonsten ist das doch der Ruf nach etwas, was umgekehrt genau der Männerwelt vorgeworfen wird – nämlich sich gegenseitig zu protegieren, um andere draußen zu halten.

CP: In den Vorstandsetagen sitzen meist Männer, die einen passenden sozialen Background haben. Warum gibt es eigentlich keine Quote für Arbeiterkinder? Die bringen doch auch wertvolle Hintergründe mit, gerade für Produktionsunternehmen.

BT: Wahr ist, dass Seilschaften und Netzwerke in den höheren Etagen natürlich ein Vorteil sind. Und das bekommt man in einem gewissen Umfeld besser beigebracht, also sich mit einem bestimmten Habitus zu bewegen als vielleicht jemand aus der Arbeiterschicht. Es gibt in der Tat wenige Beispiele in der Wirtschaft, wo jemand diese Decke durchstoßen hat. Nehmen wir mal Jürgen Schrempp, der es geschafft hat vom Kfz-Mechaniker zum Vorstandsvorsitzenden von Daimler. Das ist schon beeindruckend. Aber tatsächlich fände ich es spannend, zu durchdenken, wie man diese Ungleichheit aufgrund der sozialen Herkunft aufbrechen kann. Das ist aber ein Thema für Jahre, wenn nicht für Jahrzehnte.

CP: Reden wir über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nehmen nur vier von zehn Männern überhaupt eine Auszeit nach der Geburt eines Kindes, und viele davon nur zwei Monate. Selbst wenn eine Mutter ihre Elternzeit auf nur ein Jahr beschränkt, ist sie da doch weg vom Chef-Job, oder?

BT: In den meisten Organisationen herrscht immer noch die Meinung vor, durch eine Elternzeit – egal ob Frau oder Mann – ist eine Führungsfunktion futsch. Ich glaube aber, dass es funktionieren kann, wenn beide Seiten das gut organisieren. Und gerade in größeren Unternehmen ist es so, dass sich immer wieder Chancen auf eine Führungsposition ergeben. Eine Elternzeit ist doch genauso planbar wie die Auslandsrückkehr eines Expats ins Headquarter.

CP: Bei mir ist es schon ein wenig her: Ich habe auch deshalb nur drei Monate Elternzeit genommen, weil ich sonst meine Führungsposition nicht behalten hätte. Ich bleibe dabei: Als Frau hat man bislang nur diese eine Entscheidung: Vollzeit-Mutti – oder Job und Rabenmutter.

BT: Wir arbeiten in der Regel 30 Jahre – da können ein oder zwei Jahre Elternzeit doch nicht so entscheidend sein. Das darf nicht sein. Und apropos Rabenmutter: Wenn ein Vater nur zwei Monate Elternzeit nimmt, sagt auch keiner Rabenvater zu ihm.

CP: Aber vielleicht ist es ohne Chefposten einfach doch bequemer…

BT: Interessant ist, dass sich Frauen in der mittleren Führungsebene durch ein Kind häufig selber aus dem Spiel nehmen.

CP: Warum?

BT: Darauf habe ich bislang keine Antwort. Vielleicht der Perfektionismus vieler Frauen, weil sie sowohl Familie wie Beruf zu 100 Prozent schaffen wollen? Oder auch ein gesellschaftlicher Druck? Keine Ahnung. Aber sicher bin ich mir, dass wir uns auch die nächsten Jahre darüber unterhalten werden müssen. Was sind die Faktoren, um die Vereinbarkeit besser zu gestalten? Ich glaube so ein gesellschaftlicher Wandel dauert letztlich zwei bis drei Generationen.

CP: Bei HAPEKO haben wir eine Doppelspitze in der Geschäftsführung (Anm. der Red.: Tania Kühne und Benjamin Thomsen führen gemeinsam), und in der zweiten Führungsebene gibt es so viele Männer wie Frauen. Wir brauchen also keine Quote, HAPEKO sei Dank.

BT: Siehst Du, wir gehen als Vorbild voran.


Oktober/November 2020, HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen im Gespräch mit HAPEKO-Regionalleiterin Carin Pawlak zum Thema Frauen in Führungspositionen. Ein Disput über den Sinn einer Quote.

(Fotos: HAPEKO, Lars Poeck/IG-Fotografie.de)


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