HAPEKO INSIGHTS - Digitale Transformation:

„Wissens-Booster – nach innen und nach außen“

Deutschland 4.0 oder Schwellenland? Benjamin Thomsen, Geschäftsführer HAPEKO, über fehlendes Personal für Digitalisierungs-Themen, die Ur-Kraft deutscher FinTechs – und die Schulbank auch für HAPEKO-Berater.

 

Kaum ein anderer Begriff bietet so viel Raum wie „Digitale Transformation“. Die einen verstehen schnelles Internet darunter, andere Künstliche Intelligenz. Wie kann man all das sinnvoll bündeln?

Es wird immer so sein, dass wir mit der Digitalen Transformation ganz unterschiedliche Verständnisformen verknüpfen. Man kann das grob in drei Teile gliedern: Zum einen bedienen wir uns der Technik – also Hardware, Infrastruktur und all das. Dann haben wir die Software, die Algorithmen sowie automatisierte Programme, was uns eine enorme Erleichterung im Alltag bietet. Der nächste Schritt zielt Richtung Künstliche Intelligenz, aber da sind wir ja erst ziemlich am Anfang.

 

Vor der Pandemie boten etwa 20 Prozent der Mittelständler ihren Mitarbeitenden Home-Office an. Inzwischen haben mehr als 50 Prozent der Unternehmen mobiles Arbeiten dauerhaft eingeführt. Braucht es manchmal eine Krise, um Prozesse zu überdenken und anzupassen?

Krisen sind immer Katalysatoren. Man darf nicht vergessen: Der Mensch stellt sich Veränderungen nicht gerne freiwillig. Durch eine Krisensituation entsteht Veränderungsdruck und dieser hilft dann auch, Dinge zu beschleunigen. Natürlich ist eine Pandemie niemals gut. Doch wurden durch sie Themen plötzlich so drängend, dass wir uns darauf einlassen mussten. Corona wurde zum Turbozünder. Und das ist gut so.

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Deutschland steht in einem gerade erschienenen Report bei den Digitalisierungs-Fortschritten weit hinter China, den USA und selbst hinter manchen Schwellenländern. Ist Deutschland in punkto Digitalisierung selbst ein Schwellenland?

Schauen wir uns doch andere EU-Länder an: Dort können Bürger übers Netz schon viel mehr Services nutzen, während hier persönliche Anwesenheit und sehr viel Papier notwendig sind. Wir sind mit unserer behördlichen Struktur noch lange nicht gut aufgestellt, das ist klar.   

Ursache sind teils kulturelle Gegebenheiten, teils ein vielleicht typisch deutscher Formalismus. Nehmen wir nur mal die Infrastruktur: Wenn ich mir den Breitband-Ausbau hierzulande ansehe, gibt es zwar genügend Fördergelder, bloß dauert es viel zu lange, bis all die Abstimmungsprozesse durchlaufen sind. Und dann ist ja obendrein die Baubranche derzeit völlig überlastet, also nimmt auch die Umsetzung zu viel Zeit in Anspruch. Dazu haben wir in Deutschland verstärkt Punkte wie Datenschutz, gerade wenn es an die Einführung von automatisierten Prozessen geht. Man sieht also: Für unser Schwellenland-Gefühl gibt es nicht nur einen Grund.

Anders sieht es in der Wirtschaft aus. Dieses Jahr wurden so viele Milliarden wie noch nie in deutsche Start-ups investiert. Vor allem FinTechs wie Wefox, Mambu, Trade Republic oder Scalable haben immens viel Investoren-Geld eingesammelt. Können sich die alten Banken-Riesen in unserem Land überhaupt noch schnell genug bewegen?

Auf jeden Fall ist das eine Gefahr für manche Old Economy-Unternehmen. Man muss sich ja nur ansehen, um welche Geschäftsmodelle es sich dreht. Natürlich werden viele Kredite immer noch vor Ort in einer Bank abgewickelt. Aber ich bekomme es ja in meinem eigenen Umfeld mit: Viele, vor allem junge Menschen, nutzen Online-Banking mit dem Smartphone oder überweisen einander Geld mit Diensten wie PayPal.

Banken werden sicherlich weiter ihre Daseinsberechtigung haben, gerade was den Beratungsaspekt betrifft. Aber die Geschäftsfelder ändern sich dramatisch. Das betrifft übrigens nicht nur die FinTechs. Nehmen wir mal Personio, auch ein deutsches Start-up. Das hat sich inzwischen zu einem richtigen HR-Software-Giganten entwickelt – eines der wenigen Unicorns bei uns. An diesem Beispiel sieht man gut, dass nicht nur Start-ups aus den USA, sondern auch deutsche Gründungen mit den richtigen Ideen und dem passenden Investment Großes bewirken können.   

 

Laut einer aktuellen Umfrage von Bitkom Research fürchten 62 Prozent der deutschen Unternehmen, für ihre Digitalisierungs-Strategien nicht genug Personal zu haben. Wie stellt sich HAPEKO bei der Personalsuche für seine Mandanten darauf ein?

Das muss man zweigeteilt sehen: Zum einen geht es darum, geeignetes externes Personal an Bord zu holen, und das ist natürlich eines der Kern-Geschäftsfelder von HAPEKO. Gerade auch, weil wir innerhalb der Beraterschaft Expertengruppen geschaffen haben, die in den unterschiedlichsten Branchen extrem gut vernetzt sind. Das Andere ist aber tatsächlich auch, dass die Unternehmen die digitalen Skills der eigenen Mitarbeitenden fördern und ausbilden müssen. 

 

Apropos Weiterbildung: HAPEKO hat sich seit diesem Jahr selbst mehr digitales Know how verordnet und kooperiert deshalb mit der Universität Duisburg-Essen. Wie sind die ersten Erfahrungen mit den Zertifikatskursen „Digital Business Manager“ und „Digital Business Leader“?

Da haben wir in der Tat einen tollen Partner, der uns intern im Hinblick auf digitale Prozesse und Business-Tools schult. Wir können dieses Wissen wiederum im Rahmen der Mandanten-Beratung weitergeben oder auch den Kontakt zwischen Klienten und Universität herstellen. Letztlich bietet unsere Kooperation mit Prof. Kollmann gleich in dreierlei Hinsicht ein hohes Maß an Mehrwert: Jeder Einzelne bildet sich in einem extrem wichtigen Feld weiter. Dieser Wissens-Booster ist übrigens auch sehr wertvoll, was unsere eigenen Veränderungsprozesse bei HAPEKO angeht. Denn das Verständnis für digitale Prozesse und Neuerungen steigt automatisch bei den HAPEKO-Mitarbeitenden. Digitale Transformation hat bei uns bereits Leuchtturm-Charakter, aber zunehmend auch bei unseren Klienten.

 


HAPEKO-Geschäftsführer Benjamin Thomsen im Gespräch mit HAPEKO-Regionalleiterin Carin Pawlak zum Thema: Digitale Transformation

(Fotos: pixabay.com, HAPEKO, Nick Gurr)


 

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